Alertswiss-Meldung wurde schweizweit wohl mit echtem Sirenengeheul verwechselt

Nach Berichten über einen Fehlalarm geben die Behörden Entwarnung: Vermutlich handelte es sich um einen App-Alarm zu einem Brand in Zürich-Seebach.

Symbolbild: Raphael Moser

Ein Alarm der Alertswiss-App zu einem Brand in Zürich-Seebach weckte in der Nacht auf Sonntag schweizweit mehrere Nutzerinnen und Nutzer – auch solche, die sich gar nicht in Seebach befanden. Viele von ihnen verwechselten den App-Ton wohl mit einer echten Sirene. Das berichten mehrere Personen gegenüber dieser Redaktion sowie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz.

Sie sei um drei Uhr nachts so fest aufgeschreckt, dass sie aufrecht im Bett stand, erzählt eine Frau aus dem zürcherischen Stäfa. Das Sirenengeheul, das nur Sekunden andauerte, sei «so unglaublich laut» gewesen, sagt die 24-Jährige. Für sie war in dem Moment klar, dass das eine echte Sirene gewesen sein muss. Entweder ist die Schweiz im Krieg oder irgendwo gibt es Hochwasser, dachte sie sich. Panisch rief sie ihre Familie an, die auch in Zürich wohnhaft ist. Nur: Diese hat nichts mitbekommen.

Auf ihrem Handy bemerkte die Stäfnerin schliesslich eine Alertswiss-Meldung: In Zürich-Seebach brannte es. Einen Zusammenhang zwischen der App-Benachrichtigung und den Sirenen, die sie aus dem Schlaf gerissen hatten, sah sie zunächst keinen.

Mehreren Leserinnen und Lesern erging es ähnlich. So meldeten Personen aus anderen Zürcher Gemeinden wie Meilen und Horgen, dass sie in der Nacht auf Sonntag gegen drei Uhr von einem lauten Sirenenton geweckt wurden. Auch Personen aus anderen Kantonen wie Graubünden und Nidwalden berichteten dasselbe; die Kantone Schwyz und Aargau sprachen am Sonntag in offiziellen Mitteilungen gar von einem Fehlalarm.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs), das die Alertswiss-App betreibt, nahm am Montag zu den mutmasslichen Fehlalarmen Stellung. Die Abklärungen laufen zwar noch, aber bisherige Untersuchungen ergeben, dass es tatsächlich in keinem Kanton in der Nacht auf Sonntag zu irgendeinem Sirenenalarm kam, sagt Babs-Sprecher Dennis Rhiel gegenüber «Blick». Auch habe Polyalert, das System, mit dem die Sirenen in der Schweiz gesteuert werden, keinen Fehlalarm registriert.

Die App alarmiert auch bei ausgeschalteten Benachrichtigungen

Weiter schreibt die Behörde auf X, dass der Ton der Alertswiss-App dem Sirenenton nachempfunden sei und höchstens fünf Sekunden dauere. Echte Fehlalarme dauern oft länger an. Aus diesem Grund geht das Babs davon aus, dass die Töne der Mobiltelefone von den Nutzerinnen und Nutzern mit echten Sirenentönen verwechselt wurden. Die Meldung auf der App zum Brand in Seebach habe die Stufe «Alarm»; heisst, selbst wenn man das Handy auf lautlos oder die Benachrichtigungen ausgeschaltet hat, kommt das Sirenengeheul bei einer Meldung durch. So eine Stufe werde nur selten verwendet, sagt Rhiel zu «Blick».



Doch wieso erhalten Nutzerinnen und Nutzer eine Meldung zu Zürich-Seebach, obwohl sie sich gar nicht dort befinden? Die Erklärung ist einfach: Alle, die in der App den Kanton Zürich als Favorit angewählt haben, werden bei Meldungen im Kanton Zürich benachrichtigt. Ganz egal, ob man sich nun in Seebach, in Stäfa oder im Kanton Graubünden befindet. Also war es nach den ersten Einschätzungen des Babs der Brand in Seebach, der in der Nacht auf Sonntag die Schweiz weckte.

Diese Erklärung macht auch für die 24-jährige Stäfnerin Sinn. Sie findet es «gar nicht so schlecht», wie rigoros die App ihre Nutzerinnen und Nutzer benachrichtigt. Anders geht es einem Leser: Er habe die App sofort gelöscht, schreibt er in der Kommentarspalte.